Verein Symposion Lindabrunn
Laboratorien experimenteller
Kunst und Architektur
       
OMNISPHÄRE LINDABRUNN
MUSEUM DER LANDSCHAFTEN
Art, Nature, Public & Science - Kompetenzzentrum für Lebensräume

Die Tourismuswirtschaft stellt eine tragende wirtschaftliche Säule Österreichs dar. Im Zusammenhang mit dem globalen Wettbewerb sind die Destinationen jedoch zunehmend gefordert, bestehende Angebote und Potenziale anzupassen und noch besser zu vermarkten. Nachhaltige, sanfte Naturerlebnis - Konzeptionen und Angebote auch im Nahbereich der Städte spielen dabei eine besondere imagebildende und ergänzende Rolle. 

 

Tourismus hat in ländlichen Räumen einen hohen Stellenwert für die künftige Entwicklung. Dabei geht es um eine touristische „Inwertsetzung“ der gewachsenen Qualitäten des Lebens-, Kultur- und Landschaftsraums und nicht um die Schaffung anlagenintensiver Freizeit- und Erlebnislandschaften. Dies bedingt einen den vorhandenen Potenzialen und dem Lokalklima entsprechenden Tourismus, ein gezieltes Ansprechen eines bestimmten Publikums sowie das Bereitstellen der entsprechenden Angebote. Diese Ausrichtung bietet die Chance, erfolgversprechend auf neue Wachstumsmärkte (z. B. Sommertourismus, Familientourismus, Seniorentourismus) zu reagieren und dem Bedürfnis nach weniger hektischen Tourismusformen zu entsprechen. Werden Regionalparks geschaffen, so hat der ländliche Tourismus darin eine zentrale Funktion. Der ländliche Tourismus ermöglicht es, wichtige Lokalstrukturen (Schulen, lokales Gewerbe, Läden, sonstige Dienstleistungen) zu sichern oder zu stärken, neue Arbeitsplätze zu schaffen, die dezentrale Besiedlung zu unterstützen sowie das kulturelle und landschaftliche Erbe zu wahren.

 

Die hohe Qualität der Umwelt, der Landschafts-, Natur- und Kulturräume sowie der Ortsbilder gelten als Kapital für den Tourismus.

 

In diesem Bereich nimmt der Kultur- und Bildungstourismus einen besonderen Stellenwert ein.

Kulturtourismus definiert sich u. a. als schonende Nutzung kulturhistorischer Elemente und Relikte einer Region mit dem Ziel, das Verständnis für die Eigenart und den Eigenwert einer Region in dem weiten Rahmen einer europäischen Kultureinheit zu erweitern und zu vertiefen und zwar durch eine verstärkte Kommunikation zwischen den Bewohnern und den Besuchern[1].

 

Weiters darf die Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor nicht unterschätzt werden. Einerseits löst jeder Euro, der in Kultur investiert wird, weitere drei Euros Umsatz aus[2], andererseits verbessern attraktive Naherholungsräume das Image der Wohn- und Standortqualität insgesamt. Insbesondere für qualifizierte Arbeitskräfte sind diese sogenannten „weichen Standortfaktoren“ eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Wohnortwahl[3]. Ein Imagezuwachs für die Gemeinden und die Region, ebenso wie für Kultur- und Tourismusbetriebe sind weitere, daraus resultierende positive Effekte.

 

Neben Kulturreisenden im engeren und weiteren Sinn gibt es die große Gruppe der kulturorientierten Erholungsurlauber. Alle Altersgruppen und  Einkommensschichten sind hier vertreten. Kulturinteressierte Erholungsurlauber  möchten "aus dem Alltag herauskommen", Kultur aktiv genießen und besuchen gerne "Veranstaltungen im Grünen". Kultur ist ein gleichrangiger Urlaubsbestandteil neben anderen Freizeitaktivitäten (zB. Sport) und spielt im Entscheidungsprozess für ein Reiseziel eine wichtige Rolle.

Es werden Sehenswürdigkeiten oder besondere, kulturelle Attraktionen besucht, bevorzugte Angebote reichen von Tagesausflügen über Wochenendreisen bis zu zweiwöchigen Erholungsurlauben[4].

 

Besonders bei Familienurlauben wird großer Wert auf ein abwechslungsreiches Programm mit verschiedensten Angeboten gelegt, um die Wünsche jedes einzelnen Familienmitglieds zu berücksichtigen und den Urlaub zum optimalen Erlebnis für die gesamte Familie zu gestalten. Da Familien üblicherweise ein durchschnittliches Einkommen haben, bewegt sich das Budget für Familienurlaube meist in einem engen Rahmen. Um sich zu entspannen und vom Alltag wegzukommen werden häufig Naturferien am Land ausgewählt[5]. Der Familienurlaub ist weiters gekennzeichnet durch einen hohen Grad an Selbstorganisation, wobei die Urlaubszufriedenheit vom Wohlgefühl der Kinder abhängt[6].

 

In den 70er und 80er Jahren gab es eine heiße Diskussion um das Recht auf Arbeit, das in der Verfassung verankert werden sollte. Hermann Glaser hat es erweitert: Das Recht auf eigene KulturChance und Möglichkeit, die eigenen kulturellen Vorstellungen zu realisieren. Voraussetzungen dafür sind Wahrnehmung, Kreativität und Offenheit. Kreativität und Wahrnehmung sind erlernbar. Wie Dr. Heinz Zametzer in seinem Vortrag ausführte ist Kunst die Schule der Wahrnehmung. Die Gesellschaft braucht Künstler und Kunst als Bündnispartner für eine positive Entwicklung. Partizipation ist ein Grundprinzip der Arbeit des VSL bei seiner Kunstvermittlung. Jeder Mensch kann lernen ästhetisch zu denken – jedoch müssen die Menschen dazu geführt werden. Dies war die Basis für den Auspruch des Künstlers Joseph Beuys: Jeder Mensch ist ein Künstler[7].

 

Seit Bestehen der Klein- bzw. Leaderregion Triestingtal hat der Verein Symposion Lindabrunn (VSL) mehrere Projekte entwickelt, die sich mit der Wertschöpfung durch Nutzung kreativer bzw. kultureller Inhalte auszeichnen. Der Standort Lindabrunn wurde von einem kulturell nicht mehr in Verwendung befindlichen Gebiet durch künstlerischen Input zum heutigen Kulturstandort weiterentwickelt. Angepasst an die aktuellen Erfordernisse baut der VSL seit 12 Jahren sogenannte „kreative Milieus“ am Symposion Lindabrunn auf und hat dazu beigetragen, diesen ländlichen Raum als vielseitigen Lebens-, Kultur- und Landschaftsraum für die Zukunft zu erhalten, sowie ein attraktives Freizeit- und Erholungsgebiet zu schaffen, welches bereits jetzt als Familienausflugsdestination genutzt wird.

 

Das umraum artcollectiv als künstlerische und organisatorische Leitung des VSL hat sich zur Aufgabe gemacht, kreative Milieus aufzuspüren, zu betreiben und zu verschalten. Parallel dazu werden kreative und wissenschaftliche Inhalte mit Hilfe künstlerischer Mittel aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Symposion Lindabrunn ist Prototyp und praktiziertes Beispiel dieser Arbeit. Hier wurden regionale Besonderheiten in den Bereichen Kunst, Kultur, Biologie und Geologie ausfindig gemacht und sollen als ein Museum der Landschaften der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Museum der Landschaften soll der Lebensgrundlage LANDSCHAFT im ländlichen Raum besondere Aufmerksamkeit schenken und deren kulturelle Bedeutung mit künstlerischen Interventionen ins Zentrum des Interesses der Bevölkerung rücken. Für den Städter könnte es ein aufregendes Ausflugsziel des Kulturtourismus werden, wo er Landschaft hautnah erleben kann.

 

Meldungen in den Medien, die dem Mittelstand in den nächsten Jahren einen Kaufkraftverlust von rund 30 % voraussagen, was die Verarmung der bürgerlichen Familie bedeutet (amerikanische Verhältnisse auch in Europa), haben uns veranlasst, Strategien als Gegenmodell für die Region zu entwickeln. Speziell für Familien braucht es Alternativangebote, die abwechslungsreich, erholsam und trotzdem leistbar sind. Mit kreativen und kulturellen Inhalten in Kombination mit Naturerlebnis und Sportmöglichkeiten könnte sich das Triestingtal als Zukunftsdestination für Familientourismus positionieren. Mit Berücksichtigung vorhandener Kultur- und Freizeiteinrichtungen ist durch eine bessere Kooperation von Kulturschaffenden, kreativen Milieus und Kulturveranstaltern ein hohes Maß an kulturellem Entwicklungspotential vorhanden.

 

Parallel dazu sollte die Entwicklung eines nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Tourismus durch Herstellung eines Gleichgewichtes zwischen der Zufriedenheit von Touristen, den Belangen der natürlichen und kulturellen Umwelt sowie der Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit von Reisezielen und Unternehmen einen integrierten und ganzheitlichen politischen Ansatz mit einheitlichen Zielsetzungen aller Beteiligten sichergestellt werden[8].

 

Eine nachhaltige Entwicklung ist nur dann garantiert, wenn die Belange der heutigen und auch der künftigen Generationen berücksichtig werden[9]. Die Erhaltung attraktiver Naherholungsräume einerseits und eine Verschonung empfindlicher Lebens- und Landschaftsräume vor zu intensiver Freizeitnutzung andererseits werden künftig eine grössere Rolle spielen. Es ist nötig, dass Eigenheiten des einzelnen Standortes, das Landschaftsbild und das Naturgefüge geschont bleiben um weiterhin als touristisches Kapital nutzbar zu sein. Eine weitere Grundlage bildet das Mittragen dieser neuen Entwicklungen durch die örtliche Bevölkerung, die Einbeziehung aller Interessensgruppen und eine langfristige Planung.

 

Die Nutzung vorhandener Ressourcen und Strukturen kombiniert mit  günstigen Quartiermöglichkeiten sind die Basis um den Urlaub für die Familien der Zukunft leistbar zu erhalten. Dieser sogenannte Klein- oder Mikrotourismus forciert den Ausbau von Privatquartieren, Urlaub am Bauernhof und ähnlichen Angeboten unter dem Motto „Urlaub bei Freunden“.

 

Das umraum artcollectiv ist auf Grund seiner Erfahrungen mit dem VSL und der Entwicklung des Symposions Lindabrunn ideal geeignet, Gemeinden bei der Planung und Errichtung von kreativen Milieus und Netzwerken zwischen Kulturschaffenden, Kultureinrichtungen und Tourismusbetrieben zu beraten und zu unterstützen. Es gilt die positiven Kräfte zu sammeln, das jeweilige kulturelle Entwicklungspotential in Abstimmung mit den örtlichen und regionalen Bedingungen optimal zu nützen und den ländlichen Raum als vielseitigen Lebens-, Kultur- und Landschaftsraum für die Zukunft zu erhalten.

 

Das Funktionieren dieses Modells hängt davon ab, dass die Mediatoren Spezialisten für freie künstlerische Kreativität sind. Sie sind in die Entwicklung der kreativen Milieus involviert, evaluieren die einzelnen Entwicklungsschritte laufend, greifen bei negativen Veränderungen sofort regulierend ein und begleiten die gesamte Projektumsetzung als Mediatioren zwischen Bevölkerung, Politik, Wirtschaft und Kunstschaffenden. Auf Grund unserer Mediation wird ein kreatives Potential, das üblicherweise im städtischen Bereich angesiedelt ist, für das Landschafts- und Siedlungsgebiet mit seinen speziellen gesellschaftlichen Ausformungen nutzbar gemacht. Der kreative Input dient der Bewusstmachung neuer Werte sowie einer neuen Lebensqualität, wobei die kulturellen Angebote auf Basis eigener Leistungen und Mitarbeit (Partizipation) kostengünstiger konsumiert werden können.



[1] Irish Travel Board

[2] aus dem Vortrag „Kann Kulturförderung den Brain Drain Stoppen?“ von Rene Munz beim Symposion Kulturelle Nahversorgung, 20.-22.10.05, Krems, NÖ

[3] aus „Leitfaden Kulturtourismus in Brandenburg“

[4] aus „Leitfaden Kulturtourismus in Brandenburg“

[5] http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/freitour/FreiTour-Wiki/Familientourismus.htm

[6] http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/freitour/skriptum/FormenAngebote.ppt

[7] aus dem Vortrag „Die soziale Verantwortung der Kunst“ von Dr. Heinz Zametzer beim Symposion Kulturelle Nahversorgung, 20.-22.10.05, Krems, NÖ

[8] aus: AGENDA FÜR EINEN NACHHALTIGEN UND WETTBEWERBSFÄHIGEN EUROPÄISCHEN TOURISMUS, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Brüssel, 19.10.2007

[9] aus: AGENDA FÜR EINEN NACHHALTIGEN UND WETTBEWERBSFÄHIGEN EUROPÄISCHEN TOURISMUS, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Brüssel, 19.10.2007